E-Learning

Wir leben heute bereits ein "E-Life" - ein Leben, das durch den Gebrauch digitaler Medien unterstützt und geprägt wird; umso mehr werden digitale Medien in Zukunft das Leben unsere Schüler beeinflussen. Daher scheint es nur selbstverständlich zu sein, dass in den Schulen - bei der Vorbereitung auf ebendieses Leben - das E-Learning, also das durch elektronische und digitale Medien gestützte Lernen, ein Unterrichtsprinzip sein sollte.

Im Jahr 2012 wurde der Druck der Encylopaedia Britannica eingestellt, seit 2014 wird die Printausgabe der Brockhaus-Enzyklopädie nicht mehr vertrieben. Dafür expandiert die online-Enzyklopädie Wikipedia in unvorstellbarem Ausmaß.

Während der letzte gedruckte Brockhaus 300.000 Artikel umfasste, enthält die neue deutschsprachige Wikipedia derzeit fast 1.849.000 Artikel. Außerdem bescheinigt eine vom "Stern" in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie, dass die Wikipedia dem Brockhaus sowohl bezüglich Aktualität als auch bezüglich Richtigkeit überlegen ist. Trotzdem passiert es in vielen Schulen, dass der Umgang mit Lexika und Wörterbüchern selbstverständlich zum Schulalltag gehört, während das Arbeiten mit digitalen Medien ein Schattendasein führt bzw. teilweise überhaupt verboten ist (siehe Verwendung von Tablets und Smartphones).

Soziale Medien wie Facebook, Twitter, Google+, Instagram usw. nehmen heute einen zentralen Platz in der Kommunikation zwischen Kindern und Jugendlichen, in zunehmendem Maße aber auch unter vielen Erwachsenen ein. Soziale Medien sind sowohl im privaten wie auch im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich nicht mehr wegzudenken. Kaum eine Firma kommt heute noch ohne ansprechende Präsenz im Internet und in den sozialen Netzwerken aus. Politische Meinungsbildung und politischer Wandel wird heute über soziale Netzwerke organisiert, ob es sich um demokratische Wahlen oder Aufstände gegen Terrorregime handelt. Auch viele negative Kräfte - seien es Terrororganisationen, Drogenringe, Scheinreligionen usw. - organisieren sich über soziale Medien. Natürlich werden diese sozialen Medien auch von unseren Schülern genutzt. Leider haben aber manche Lehrer noch große Schwierigkeiten damit, solche Medien zu nutzen. Wie kann ein Lehrer Jugendlichen erklären, welche Möglichkeiten, aber auch Gefahren die Nutzung von Facebook mit sich bringt, wenn er selbst überhaupt kein Facebookprofil besitzt, sich also offensichtlich nicht damit beschäftigt und sich dort auch nicht auskennt?

Lernen verlagert sich heutzutage immer mehr von institutionalisiertem Lernen in Schulen, Fachhochschulen, Universitäten usw. hin zu selbstständigem Lernen über digitale Medien. Lernplattformen im Internet, Lernvideos auf youtube und anderen Plattformen über alle Lebens- und Wissensbereiche, online-Kurse verschiedenster Art sind heute für jedermann zugänglich. Die Qualität dieser Angebote verbessert sich ständig, für Lehrer ist es teilweise heute schon schwer, mit diesen Angeboten zu konkurrieren. Solche Angebote haben den Vorteil, dass ich sie wann ich will, sooft ich will und angepasst an meinen persönlichen Wissensstand nutzen kann. Sie sind eine hervorragende Möglichkeit zur Individualisierung des Unterrichts, die von jedem Lehrer und jeder Schule angestrebt werden sollte. Die Nutzung solcher Angebote im Unterricht sind ein Gebot der Stunde! 

Das sind nur einige Beispiele für die Verlagerung vieler Lebensbereiche auf die digitale Ebene. Schule hat die Aufgabe, die Schüler auf die Zukunft vorzubereiten, denn in ihr werden sie leben. Die Entwicklung hin zur Digitalisierung ist bereits sehr weit fortgeschritten. Sie wird noch viel weiter fortschreiten, als wir uns das heute vorstellen können, und sie ist irreversibel. Wenn Schulen sich nicht diesen Herausforderungen anpassen, werden stark an Bedeutung als wichtigste Institution für die Ausbildung unserer Kinder verlieren. Wie sagt Charles Darwin: Nicht die Stärksten werden überleben, auch nicht die Klügsten, sondern die Anpassungsfähigsten!

Für weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema siehe Literaturempfehlungen und Linkliste!