Hausaufgaben

Zum Thema "Hausaufgaben" sagt R. D. Precht (siehe Literaturempfehlungen): "... Ein Lehrer, der seine Schüler zu Hause nachholen lässt, was er im Unterricht nicht geschafft hat, gehört ebensowenig ans Gymnasium (oder an eine NMS - Anm. des Autors) wie ein Lehrer, bei dem besonders viele Kinder sitzen bleiben. Er gehört auf gar keine Schule..." 

Diese sehr provokante Aussage Prechts ist zwar bezüglich der Umstände (Halbtagesschule oder Ganztagesschule? Altersgruppe? Stundenbelastung der Schüler? Was versteht man unter Hausaufgaben? ...) zu relativieren. Grundsätzlich aber hat er recht.

 

Verpflichtende Hausaufgaben, die vielleicht auch noch eine Rolle für die Benotung in einem Unterrichtsfach spielen, haben in einem modernen Unterricht keinen Platz. Zahlreiche Untersuchungen stellen die Sinnhaftigkeit von Hausübungen in Frage, für Schüler, Lehrer und Eltern sind sie eine Belastung, und sie haben durchaus Potential, den Schülern die Freude an einem Unterrichtsfach, vielleicht sogar an der Schule, auszutreiben. Wenn man weiss, welche Rolle die Freude am Lernen für den Lernerfolg spielt, sollte man das Aufgeben verpflichtender Hausaufgaben grundsätzlich überdenken.

Natürlich gibt es Schüler, die sich besonders für ein Thema interssieren und dazu zusätzliche Aufgaben haben möchten. Andere Schüler möchten Gelerntes wiederholen und vertiefen. Selbstverständlich sollte für solche Schüler ausreichend Aufgabenmaterial vorhanden sein. Das Lösen dieser Aufgaben sollte aber freiwillig sein und keinerlei Einfluss auf eine Note haben. Das Einbeziehen von Hausaufgaben in die Benotung ist vollkommem unsinnig! Was weiß denn ein Lehrer, wer eine zuhause gelöste Aufgabe wirklich gelöst hat? Bestraft man mit einer Hausaufgabe nicht Schüler, die in der Schule fleißig gearbeitet haben, das Thema bereits beherrschen und nun zusätzlich in ihrer Freizeit gequält werden? Zwingt man Schüler, die etwas nicht verstanden haben, nicht zur Vospiegelung falscher Tatsachen, indem sie sich illegal Hilfe holen, um die Aufgabe abgeben zu können? Was weiß ein Lehrer, unter welchen äußeren Umständen wie Arbeitsplatz, Ruhe oder Unruhe, familiäre Verhältnisse usw. eine Hausaufgabe zustande kommt?

Trotzdem haben verpflichtende Hausaufgaben noch immer viele Befürworter. Unter Lehrern, weil sie es immer schon so gemacht haben und sich einen erfolgreichen Unterricht ohne Hausaufgaben nicht vorstellen können. Unter Eltern, weil sie selbst auch Hausaufgaben machen mussten. Und selbst unter manchen Schülern, weil sie glauben, dass man bei Lehrern mehr lernt, bei denen man viel abgeben muss, da sie Qualität mit Quantität gleichsetzen.

"Old habits die hard." Alte Gewohnheiten sind schwer zu ändern. Wir müssen dieses Thema neu denken!

 

Für weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema siehe Literaturempfehlungen und Linkliste!